er ist ruhig, ich auch


dieses gedicht von mahmud darwish – هو هادئ Ùˆ أنا كذلك – hat mich so beeindruckt, dass ich es gerne in meinem blog verbreiten möchte:

Er ist ruhig, ich auch

Er ist ruhig
Ich auch
Er trinkt seinen Tee mit Zitrone
Ich trinke meinen Kaffee
(Das unterscheidet uns)
Er trägt wie ich ein weites kariertes Hemd
Ich blättere wie er in einer Monatszeitschrift
Er sieht mich nicht, wenn ich ihn heimlich beobachte
Ich sehe ihn nicht, wenn er mich beobachtet
Er ist ruhig
Ich auch
Er sagt etwas zum Kellner
Ich sage zum Kellner etwas
Eine schwarze Katze läuft zwischen ihm und mir
Ich streichle den Pelz ihrer dunklen Nacht
Er streichelt ihres Pelzes dunkle Nacht
Ich sage ihm nicht: Der Himmel ist heute klar und blau
Er sagt mir nicht: Der Himmel ist heute blau und klar
Er ist Spiegel und Blick
Blick und Spiegel bin ich
Ich bewege mein linkes Bein
Er bewegt sein rechtes Bein
Ich summe eine Melodie
Er summt ein ähnliches Lied
Ich denke: Ist er der Spiegel, in dem ich mich erblicke?
Dann schaue ich nach seinen Augen, aber
Ich sehe ihn nicht
Eilig verlasse ich das Café
Ich denke: Vielleicht ist er ein Mörder oder jemand
Der mich für einen Mörder hält
Er hat Angst
Ich auch


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