modern x-mas timesKreativer Adventskalender *21*


Auch diesmal habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich an seelenruhigs toller Kreativ-Aktion zu beteiligen. Danke für die viele Mühe, die du dir immer machst. Mein Beitrag diesmal: eine selber geschriebene Weihnachtsgeschichte:

modern x-mas times

modern x-mas times

hi, da bin ich – wer bist du?

sag mir erst mal, mit wem ich es zu tun habe!

bin 15, w, gehe aufs gymnasium und … aber jetzt bist du dran. das ist ja schon ganz schön viel, oder?

na gut, das ist ja schon eine ganze menge – werde versuchen, gleichzuziehen:
bin …, bin schon ein ganzes stück älter, als du, m, bin berufstätig – schon länger, aber jetzt würde ich doch gerne deinen namen wissen, weil es sich dann lockerer schreibt.

jule für meine freunde – das muss sich erst noch herausstellen, ob du dazu gehörst. ich hoffe, du bist kein solcher …, du weisst schon, keiner, der was will – wenn du älter bist. und m.
ist zwar blöd, das so zu schreiben, weil es über den chat sowieso unmöglich ist, das herauszufinden …

… ist natürlich genauso blödsinnig, dir zu versichern, dass ich kein solcher bin. aber schon von berufs wegen ist das ausgeschlossen.

von berufs wegen? was machst du denn?

na ja, das ist nicht ganz so einfach zu erklären. kein klassischer lehrberuf. irgendwie in der „transportbranche“ – aber bevor ich weiter erzähle möchte ich dich was fragen. nichts persönliches – oder vielleicht nur am rande – was wünschst du dir denn dieses jahr zu weihnachten?

das ist aber eine komische frage in einem chat!
was ich mir zu weihnachten wünsche? na, ein neues handy, mit dem ich musik hören kann, wenn’s geht ein i-phone. ausserdem neue carving ski und schöne klamotten dazu …

das sind ja ganz schöne brummer – na ja, das i-phone ist echt nicht so schwer. aber ski und klamotten …

sag mal, was meinst du damit?

ach entschuldige, das war quasi eine berufsbedingte überlegung. wenn man mal eine ganze weile in einer branche gearbeitet hat, kann man nicht mehr anders, als sich vorzustellen, wie es ist, … du weißt schon.

nein, keine ahnung – ich kann mir überhaupt noch nicht vorstellen, dass ich jemals einen beruf habe. weiß auch noch nicht, welchen. da bin ich vollkommen planlos.

… ja, das habe ich schon öfter gehört – tut mir echt leid, dass das heutzutage so schwierig zu sein scheint …

was heißt heutzutage, das klingt ja gerade, als wärst du nicht von heutzutage, oder so …

nein, was ich damit meinte: ich kenne viele jugendliche, die noch gar keine perspektive für ihr leben haben – und das finde ich schade. aber gerade in der weihnachtszeit möchte ich da nicht allzu sehr drauf rumreiten. ich wollte dir eine art „gewinnspiel“ vorschlagen. das chatten ist ja nicht so wahnsinnig interessant, wenn es nichts neues, aufregendes gibt. und das möchte ich dir anbieten.

… hä?
ich bin zwar noch relativ jung, aber der spruch ist mir schon bekannt: trau keinem, der dir was schenken möchte!

sehr guter einwand!
aber ich möchte dir nichts schenken, sondern dir nur eine art spiel vorschlagen.

na, das klingt schon besser. aber worum soll es denn bei dem spiel gehen?

kennst du rumpelstilzchen?

hä? was für ein stilzchen? was soll das denn sein?

schon mal was von gebrüder grimm gehört?

nö, das kommt mir echt ziemlich unbekannt vor.

märchen?

was soll das denn jetzt? märchen sind doch was für kinder.

kannst du dich denn gar nicht mehr an märchen erinnern? hat dir nie jemand märchen vorgelesen?

klar, meine eltern haben mir schon ab und zu märchen vorgelesen, als ich klein war – aber was soll das denn jetzt?

na ja, ich habe versucht, an eine erinnerung bei dir anzuknöpfen: rumpelstilzchen ist ein klassiker unter den märchen, wenn es darum geht, dass jemand eine andere person identifizieren soll.

… ???

anders formuliert: du sollst herausfinden, wer ich bin. schaffst du das mit zehn fragen, die ich mit ja oder nein beantworten kann, dann sorge ich dafür, dass du ein i-phone bekommst.

geil!

geil?

na, ich meine wahnsinn, irre, …
ich bin dabei, aber kannst du mir vielleicht noch einen tipp geben, in welche richtung ich anfangen soll?

das entspricht zwar nicht den spielregeln, aber in deinem fall mache ich mal eine ausnahme, weil ich dir eine chance geben möchte.
also hier ein paar kleine tipps:
– ich bin gerade in dieser jahreszeit, die wir jetzt haben, sehr gefragt
– mein name ist programm
– man kennt mich schon lang

dann werde ich mal mein glück versuchen.
du hast vorhin was von märchen gesagt. hast du was damit zu tun?

schwierige frage – ich würde sagen, im weitesten sinne: ja! es ist tatsächlich etwas märchenhaftes an mir.

etwas märchenhaftes? aber du bist doch real?

das war die zweite frage. ich bin real. das siehst du ja an der tatsache, dass ich hier mit dir chatte. aber anderseits bin ich auch … wie soll ich es sagen … nicht unreal, aber gewissermaßen überreal. ich bin, wenn du das paradoxon gestattest, realer, als normale menschen real sein können, dabei aber auch wieder in anderer hinsicht faktisch weniger real, als …
ich sehe schon, ich verheddere mich in der antwort auf so eine einfache frage. ich würde sagen: ja und nein. gleichermaßen.
und weil das keine faire antwort in einem spiel ist, gebe ich dir noch einen tipp dazu: ich bin ungefähr so real, wie ein filmstar für seine fans: einerseits ungreifbar, andererseits aber wirklicher und präsenter als ein durchschnittlicher mensch.

danke für den tipp – scheint mir aber ziemlich abgedreht zu sein. du – ein filmstar? aber du hast auch nur gesagt: wie ein filmstar.

ja, ich habe versucht, eine analogie zu finden.

eine ana … was?

einfach eine art bild, das umschreibt, was ich meine.

ach so …
danke
könnte ich sagen, dass du so etwas wie eine legende bist? jemand, dessen namen und (angebliche) taten jeder kennt, den aber niemand persönlich kennt – so etwas wie robin hood? oder vielleicht so was wie ein comic held wie superman? oder spiderman?

gar nicht so schlecht kombiniert – vielleicht sollte ich mich für diese vergleich sogar ein wenig geschmeichelt fühlen.

es kennt dich also jeder, aber niemand kennt dich?

ja, ganz genau, das trifft es ziemlich gut.

aber das ist komisch. ich chatte doch hier mit dir. also kannst du doch keine totale phantasiegestalt sein. kein spiderman, oder so …
auch keine längst tote legendäre figur wie zorro – oder gibt’s neuerdings eine internetverbindung ins jenseits?
meine nächste frage: chatte ich gerade wirklich mit dir? oder ist irgendein „magie-filter“ dazwischen geschaltet?

wieder eine hervorragende frage – besser gesagt zwei fragen, auf die ich jeweils mit „ja“ antworte.
entschuldige bitte, das ist wieder unfair, weil du zwei sich ausschließende fragen gestellt hast. um in logischen mustern zu bleiben hätte ich entweder ja/nein oder nein/ja antworten müssen. ja/ja ist an dieser stelle nicht erlaubt, aber leider stimmt die anwort zu 100%.
weil ich mir hier wieder einen human-logischen schnitzer erlauben musste, gebe ich dir dafür wieder einen kleinen tipp:
denk nicht in rein menschlich-logischen mustern weiter. ich bin jemand, den es in einem sinn gibt, der sich der rationalen welt entzieht. ich würde mal behaupten, jeder kennt mich – zumindest im christlichen kulturkreis – aber keiner, der mich kennt, macht sich gedanken über das problem meiner existenz oder nicht-existenz.

deine tipps machen mich wahnsinnig – schönen dank auch!
das ist ein ziemlich blödes spiel.
es gibt dich – und gleichzeitig gibt es dich auch nicht.
du sprichst mit mir – und gleichzeitig muss ich mich darüber wundern, dass das überhaupt möglich ist.
jeder kennt dich, aber keiner kennt dich wirklich.
und was soll das mit dem christlichen kulturkreis? willst du mir damit irgendeinen heißen tipp geben?
also meine nächste frage: hast du etwas mit dem christentum zu tun?

nein – nicht irgendetwas, sondern ziemlich viel!
wenn du dir – aus deinen hoffentlich eingermaßen vorhandenen – religionskenntnissen überlegst, was demnächst in unserem kulturkreis ansteht, dann …

in nächster zeit – ich würde sagen, es geht schwer auf weihnachten zu!
weihnachten, na klar! – aber auch wieder: nein – das kann nicht sein!
ganz am anfang hast du geschrieben, du arbeitest in der „transport-branche“ – und dann hast du geschrieben, du bist etwas märchenhaftes, es gibt dich – und es gibt dich auch nicht. du seiest so etwas wie eine legende.
wenn ich versuche, das alles zusammen zu bringen, habe ich schon das gefühl, ich weiß, wer du bist.
aber das kann doch gar nicht sein – weil du mit mir chattest, kann das doch gar nicht sein.
wenn du nämlich der bist, der ich glaube, dann kannst du nicht mit mir chatten.
oder du bist jemand, der gerade versucht, mich dermaßen zu verarschen, dass …
aber das gefühl habe ich nicht.
ich bin ganz durcheinander!
aber plan schon mal das i-phone ein!
du bist:
der weihnachtsmann

Weihnachtsschmuck eines "Mega-Kaufhauses" in Seoul, Südkorea

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Comments (5)

  1. ina

    Wow – ein cooler Weihnachtsmann kommt über’s chatten ( Ich habe null Ahnung davon – aber für meine Söhne so normal wie Telefonieren und wohl das Kommunikationsmittel unserer Zeit.)und bringt eine 15 Jährige dazu wieder an den Weihnachtsmann zu glauben. Wäre toll wenn das funktionieren würde – über die neuesten Kommunikatinosmittel alte Werte vermitteln…
    Immerhin in Deinem modernen Märchen hat es geklappt, und dafür sind Märchen ja da …
    Ich wünsche Dir Stefan , Ellen und Eurer Familie ein schönes Fest
    Ina

    Antworten
  2. Dagmar

    Cool ! Ich glaube, das würde einige 15jährige zum Zweifeln bringen:
    Chatten mit dem Weihnachtsmann ! Gibt es den vielleicht doch ?
    Euch schöne ruhige, entspannte Tage – liebe Grüsse Dagmar

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  3. seelenruhig

    Vielen Dank fürs Mitmachen hier im kreativen Adventkalender. Bald ist er zu Ende und wir feiern mit der ganzen Familie , die hoffentlich auch heil ankommen wird, ein gemütliches, schönes Weihnachtsfest!

    Dein langer Text ist echt klasse – hat durch seine Länge vielleicht aber doch ein paar Leser in die Flucht geschlagen?!

    viele liebende Grüße von Ellen

    Antworten
  4. Hermann Josef

    Lieber Stefan,
    ja sag, das ist ja klasse … was schreibst Du sonst noch?
    Und es hat so etwas sehr Zeitgemäßes, so viel Wahrheit in dieser schnellen Zeit, die so wenig an Traditionen festhalten mag.
    Ich wünsche Euch auch auf diesem Weg noch mal von Herzen ein schönes Weihnachten mit all den Lieben.
    Freundschaftliche Grüße aus der Ferne von
    Hermann Josef

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