regrese de mis viajes, navegue construyendo alegria (Pablo Neruda)


Fernweh empfinde ich, wenn ich an meine Reise nach Chile zurückdenke.

Ich war in Santiago und Umgebung, was sich klimatisch nicht allzu sehr von hiesigen Breiten unterscheidet. Aber in verschiedenster Hinsicht ist es so ganz anders als alles, was wir in Europa kennen: Spezielles Klima, Tierwelt, Feeling insgesamt, wichtige Menschen, die von hier gekommen sind …

Flug über die Anden

Das soll mein Thema sein zu diesem 7. Kreativtag von seelenruhig. Ich bin mir dessen bewußt, dass mir Gott und die Welt vorwerfen könnten, ich würde mich nicht akkurat an das vorgegebene Thema halten. Aber ich sehe das anders: Fernweh mit einer wirklich fernen Destination in Zusammenhang zu bringen, aber nicht nur mit der Destination, sondern auch mit einem Poeten und Staatsmann von dort, der mich nachhaltig beeindruckt hat, scheint mir hier angebracht.

Das Haus und das Meer

Isla Negra ist ein wichtiger Ort für ihn. Er hat dort, als er noch gar nicht bekannt war, ein Stück Land am Meer erworben und darauf ein winziges Häuschen gebaut. Das Grundstück war schon damals relativ groß. Seine Intention war, immer, wenn er wieder etwas Geld hatte, ein Stück Haus dazuzubauen, was er auch tat. Künstler-Freunde von ihm verschönten ihm sein Haus gegen Verse – ein Deal, den man öfter wiederaufleben lassen sollte. Jedenfalls gewann das Haus dadurch enorm.
Details vom Haus

Warum erstaunt uns Pablo Neruda so sehr?
Er ist Politiker und schreibt die schönsten Liebesgedichte, die man sich vorstellen kann.
Es ist die Diskrepanz zwischen diesen so unvereinbar scheinenden Bereichen, die einen aufhorchen läßt. Sollte es diesen Spagat wirklich geben? Um es gleich zu beantworten: Ja, es gibt ihn. Nicht sehr oft. Aber solche Beispiele machen uns Mut, nicht alles allzu negativ zu sehen.
Wenn du mich vergißt

Ich möcht, daß du
eines weißt.
Du weißt ja, wie das ist:
Betrachte ich
den kristallenen Mond, den roten Zweig
des säumigen Herbstes an meinem Fenster,
berühre ich
beim Feuer
die ungreifbare Asche
oder die runzligen Körper des Holzes,
bringt mich das alles zu dir,
als wäre alles, was da ist,
Düfte, Licht, Metalle,
nichts andres als ein Schwarm kleiner Schiffe,
hinsegelnd zu deinen Inseln, die mich erwarten.
Nun aber,
wenn du allmählich aufhörst, mich zu lieben,
werde ich aufhören, dich zu lieben, allmählich.
Wenn du auf einmal
mich vergißt,
suche nicht nach mir,
denn ich werde dich schon vergessen haben.
Scheint er dir lang und irre lodernd,
der Fahnenwind,
der mein Leben durchweht,
und entscheidest du dich,
mich auszusetzen am Rand
des Herzens, in dem ich verwurzelt bin,
so bedenke,
daß am selben Tag,
zur selben Stunde,
ich die Arme erhebe
und meine Wurzeln sich aufmachen,
einen anderen Boden zu suchen.
Doch wenn du
jeden Tag,
jede Stunde
empfindest, daß du für mich bestimmt bist,
mit unverrückbarer Süße,
wenn jeden Tag
eine Blüte aufsprießt zu deinen Lippen, um mich zu suchen,
ach, meine Liebe, ach, Meine,
so wiederholt sich in mir all dies Feuer,
und nichts erlischt in mir, nichts wird vergessen,
meine Liebe nährt sich von deiner Liebe, Geliebte,
und solange du lebst, wird sie in deinen Armen sein,
ohne die meinen zu verlassen.

Aus: Los versos del capitán (Die Verse des Kapitäns)
Das Meer, über das er von seinem Haus aus immer blickte …
… und selbst noch von seinem Grab blicken könnte


Comments (25)

  1. Sabine

    Was für ein wunderschöner Ort!
    Ich danke Dir für die Fotos und Deinen Text. Für das Gedicht werde ich mir Zeit nehmen und Deinen Blog wieder besuchen.
    Viele Grüße
    Sabine

    Antworten
  2. Ocean

    Lieber Stefan,

    so kann ich mich den anderen nur gern anschließen – einen ganz wunderbaren Beitrag hast du verfaßt, und von einem Künstler berichtet, den ich bislang nicht kannte – ein sehr berührendes Gedicht, nachdenklich machend – und dazu so intensive Fotos, dass es sich unbedingt lohnt, deinen Beitrag mehrmals zu schauen und zu lesen! Danke dafür ..

    und viele herzliche Grüsse,
    Ocean

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  3. Nora

    Lieber Stefan,

    herzlichen Dank für diesen schönen Ausflug mit Bildern und Worten und dass ich auch noch was erfahren durfte über Pablo Neruda. Der Tausch von Arbeit der Künstler gegen Verse gefällt mir sehr gut!

    LG
    Nora

    Antworten
  4. Elke

    Hallo Stefan,
    beeindruckende schöne Bilder-sagenhaft!
    Und ein wunderschönes Gedicht, für das man sich Zeit nehmen sollte. Wie natürlich auch für die Bilder!
    Vielen Dank für den tollen Beitrag!
    Viele Grüße
    Elke

    Antworten
  5. seelenruhig

    Ein sagenhafter Beitrag zum Kreativtag!! Danke dir dafür! Das Gedicht bringt mich fast zum Weinen! Und zu deiner Chilereise: alles super – außer dass ich nicht dabei sein konnte!
    df

    Antworten
  6. Thea

    Hallo Stefan,
    ich bin durch Zufall auf Deine Seite gekommen und bin von Deinen Fotos und dem Bericht total begeistert.Es sind schöne und beeindruckende Bilder und das Gedicht finde ich auch sehr schön. Dankeschön!
    Herzliche grüße
    Thea

    Antworten
  7. Hermann Josef

    Das Gedicht ist wunderschön traurig und berührt mich sehr. Und Dein Beitrag passt so sehr zu Fernweh, denn Bilder und Worte bringen es zum Ausdruck.
    Herzliche Grüsse von
    Hermann Josef

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  8. sylvia

    ein so schöner Ort und ein großartiger Künstler!
    Danke, dass Du sie hier vorstellst! Und die Idee, sich von
    Freunden mit „Händchen“ das Haus verschönern zu lassen
    und mit Gedichten zu zahlen find ich einfach bestechend;-))))
    liebe grüße
    Sylvia

    Antworten
  9. tally

    Lieber Stefan,
    was ist das für ein schöner Beitrag für den heutigen, äh-gestrigen, Tag.
    Ein Grundstück am Meer, mein Traum. Mit Granit: das Sahnehäubchen.
    Ãœberhaupt, alle Photos sind wieder einmal eine Pracht.
    (Meines von unserer Tour nicht, aber ich wollte einfach grüßen).
    Sehr herzlich und in der Hoffnung auf eine weitere gemeinsame Mini-Reise
    grüßt Tally

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  10. Malou

    Dein Beitrag ist überhaupt nicht am Thema vorbei. Fernweh erwächst doch oft aus der Verbindung von Sprache, Bildern, Tönen, die uns ansprechen. Chile ist ein wunderbares Land und Neruda ein beeindruckender Dichter. Die Verbundenheit Nerudas zu seinem Land, seinem Volk, seiner Umgebung, die Liebe zu den kleinen Dingen ist ja in vielen seiner Gedichte zu spüren, weshalb ich auch die Oden (an die Tomate, an die Socken, an den Thunfisch auf dem Markt…)sehr mag.
    Deine Bilder lassen mich wieder an der Straße stehen und von Süd nach Nord durch dieses zauberhafte Land mit seinen wunderbaren Menschen trampen.
    Danke dafür.
    Liebe Grüße
    Malou

    PS:Antonio Skarmeta „Mit brennender Geduld“ (das Buch, welches im „Postmann“ verfilmt ist) finde ich unbedingt lesenswert.

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  11. Dagmar

    Wunderschön – Dein Beitrag zum Fernweh.

    Für mich ist das erste Bild – von den Anden aus dem Flieger – ein absoluter Traum !!
    Fernweh…..

    Danke schön !
    Einen lieben Gruß
    Dagmar

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  12. Milena

    Du berichtest von einem mir unbekannten Land und Menschen. Wunderschön. Aber wahrscheinlich unerfüllbar, dieses Land in den nächsten Jahren zu bereisen. Deshalb passt es so wunderbar zum Fernweh.

    Lieber Gruss

    milena

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  13. ina

    Traumfotos – ein großes Talent Stimmungen einzufangen . Auch wenn Ellen meint Ihr seid keine Künstler – in meinen Augen ist jeder der Anderen seine Gefühle durch seine Werke mitteilen kann ein Künstler Ina

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  14. Katrin

    gerade eben habe ich das gedicht noch mal gelesen. wieder mit tränen in den augen, diesmal tränen der trauer
    ein lieber freund ist gegangen und hat mit seinem weggehen eine große wunde in meinem herzen hinterlassen
    nichts wird wieder so sein, wie es mal war

    unsagbar traurig

    katrin

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  15. chilenita

    Neruda!

    Wenn man Neruda in seiner Sprache hoert, kommt auch noch was ganz Besonderes dazu: er benutzt sie als waere sie etwas Materielles: seine Worte FUEHLT man sanft, rau, volumetrisch, Grob und Fein, Gross und Klein, Leuchtend und Dunkel, Rund und Eckig, Blau umd Rot …alle Sinne werden angesprochen…. man hat das Gefuehl einem Architekten gleich durch die Welt zu gehen. Oder ein Gourmet zu sein: wie herrlich ist seine Beschreibung einer Zwiebel, einer Speise…..Seine Sprache zerfliesst einem auf der Zunge…

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