ringelnatz – einer meiner liebsten dichter


nacht

ringelnatz versteht es, sich mit einer geradezu atemberaubenden artikstik zwischen „sense und nonsense“ zu bewegen. in seinen gedichten mischen sich tiefe und oberfläche, wahrheit und unsinn, schönheit und spass – genauso wie es mir gefällt. ringelnatz gehört für mich in einem namen genannt mit schwitters, jandl, gernhardt.
hier eines seiner starken gedichte, in dem er sich herrlich ironisch an den deutschen dichtergott anlehnt:

Abendgebet einer erkaelteten Negerin

Ich suche Sternengefunkel
All mein Karbunkel
Brennt Sonne dunkel.
Sonne drohet mit Stich.

Warum brennt mich die Sonne im Zorn?
Warum brennt sie gerade mich?
Warum nicht Korn?

Ich folge weissen Mannes Spur.
Der Mann war weiss und roch so gut.
Mir ist in meiner Muschelschnur
So neglige zu Mut.

Kam in mein Wigwam
Weit uebers Meer,
Seit er zurueckschwamm,
Das Wigwam
Blieb leer.

Drueben am Walde
Kaengt ein Guruh –

Warte nur balde
Kaengurst auch Du.


Comments (1)

  1. kathrin

    das ist ja sowas von genial!
    zwar kenne ich etliche gedichte von ringelnatz, hab auch ein buch mit texten von ihm – aber dieses war mir bis dato unbekannt.
    nein, ist das herrlich!
    ich hab’s sofort meinem mann gezeigt und er meinte: goethe rechts überholt!
    er hat recht. und ich lese es wieder und wieder und lache jedes mal aufs neue.

    danke für dieses herrliche gedicht!

    lg,
    kathrin
    (über seelenruhig von ellen schnell hierher gelangt 🙂 und allein deshalb hat es sich gelohnt. aber auch bei anderen einträgen bin ich schon hängen geblieben. ich glaube, ich schaue hier öfter vorbei. 🙂 )

    Antworten