Skiurlaub der seltenen Art in der Silvretta Nova


Sonntag, 10. Januar 2010

Anreise zu einem etwas merkwürdigen Skiurlaub. Ich habe die Ernst-Rieger-Hütte (DAV Sektion Lindau) im Silvretta Nova Gebiet  von 10. bis 15. Januar bekommen, aber niemand wollte oder konnte mich begleiten. Auch meine liebe Frau wollte aus verschiedenen Gründen nicht mitkommen – wenn jemand nicht Ski fährt, ist das schon Grund genug: Es wird dann nämlich schnell langweilig.

Nun bin ich also ganz allein mit meinem Rucksack voller Bücher, Laptop und ansonsten wenig Gepäck unterwegs. Beim Losfahren ist das Wetter am Bodensee ziemlich bescheiden. Und auch während der Fahrt bessert es sich nicht. Na ja, wenigstens kein Sturm und Regen. Gute Urlaubslaune habe ich zum Glück dabei.

Oben angekommen, verräume ich nur den Rucksack in die Hütte und schaue zu, dass ich auf die Piste komme. Und dann werde ich belohnt: gegen 13.00 reißt der Himmel nach und nach auf. Man sieht unten im Tal nur Nebel, aber über ca. 1.500 Meter ist die Sicht phantastisch. Das heißt also: fahren bis zum letzten Lift.

Auf der Abfahrt zur Hütte, mache ich im Sporthotel auf Gafrescha halt und gönne mir eine gute Hauswurst und ein Weizenbier.
Ein toller Tag, könnte man sagen, aber er ist noch nicht vorbei. Beim abendlichen Telefonat mit Ellen erfahre ich, dass der

Opa meiner beiden Söhne gestorben ist. Das ändert die Stimmung dieses Tages um 180 Grad.
Der Abend ist seltsam, und in der Nacht schlafe ich schlecht.

Montag, 11. Januar 2010

Das Wetter war heute nicht so toll – aber immerhin: wieder ganz ordentliche Sicht, wenn der Himmel auch verhangen war. Ich war nicht ganz der erste auf der Piste, ließ mir ein bischen Zeit und startete so gegen 10.00 Uhr.
Trotzdem war es ein schöner Skitag. Ich fuhr so ziemlich alle Pisten ab – keine Ahnung wie viele Pistenkilometer ich gefahren bin. Sicher viele. Und ich entdeckte einige für mich neue Buckelpisten in der Silvretta Nova. Gut! Und anstrengend!

Beim Abfahren wieder ein kleines Abendessen im Sporthotel: Bauernrösti mit Spiegelei und Speck. Das gibt die Kraft zurück. In der Hütte las ich, und ab Abend gönnte ich mir einen Saunaaufenthalt – wieder im Sporthotel – der mir sehr gut tat. Ich hatte die (sehr schöne und geschmackvoll eingerichtete) Sauna für mich alleine. Und das genoss ich in vollen Zügen.

Heute merkte ich auch, dass ich gefräßige kleine Mitbewohner habe: Mäuse. Zum Glück hatte ich das meiste Essen gut verstaut. Aber die Plastiktüte, die ich als Mülltüte verwendete, ließ ich einfach so stehen. Und das Ergebnis war eindeutig: sie haben sich an einer Ecke durchgefressen und den Beutel auf Verwertbares untersucht. Gründlich.

Nachts bin ich mal vom Rascheln aufgewacht, und siehe da, der kleine Ãœbeltäter fühlte sich ertappt, saß auf der Bank und schaute mich an, als wollte er sagen, hoffentlich sieht er mich nicht. Und dann war er schon in einem Loch verschwunden.

Dienstag, 12. Januar 2010

Heute hatte ich eigentlich vor, ins Tal abzufahren und meine Vorräte aufzufrischen. Als ich aber morgens aufstand und hinausschaute, verschob ich den Vorsatz spontan, denn der Himmel war blau. Kein einziges Wölkchen.
Und das hieß natürlich: Skifahren bis zum Umfallen.

Diesmal war ich der erste am Lift. Ich fuhr bis ganz hoch und bewegte mich den ganzen Tag hauptsächlich auf Buckelpisten und neben den Pisten. Von der gestrigen Nacht gab es ein wenig Neuschnee, was absolut perfekt war.
Skigenuß pur! Ich fuhr fast ohne Pause sieben Stunden durch. Oben war die Aussicht grandios – ein Blick über das ganze Alpenpanorama, das man von hier aus sehen kann. Einfach ein Traum.

Da das Nachschubholen aus Wettergründen verschoben war, brauchte ich nach diesem phantastischen, aber auch sehr anstrengenden Tag einen Imbiss: Bewährte Einrichtung vor dem Heimkommen: ein Abstecher im Sporthotel. Diesmal mussten es Kässpätzle sein.

Am Abend noch ein wenig in der Hütte lesen. Aber das war absehbar: lange konnte ich nicht mehr wach bleiben. Der Schlaf nach so einem langen Skitag ist sehr tief. So tief, dass man nicht einmal die Mäuse hört.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Wetter wieder ein wenig mehr zugezogen. Deshalb machte ich gleich in aller Frühe (noch vor neun Uhr) die große Talabfahrt, ging zum Auto und kaufte in St. Gallenkirch im Supermarkt für die restlichen Tage ein. Außerdem brachte ich meinen nagenden Mitbewohnern auch etwas mit: Mäusegift.

Als ich zurück auf der Hütte war, verstaute ich meine Einkäufe (mäusesicher), streute gleich ein wenig vom Gift und begab mich auf die Piste. Bis ca. 12.00 Uhr war es noch richtig gut, dann zogen aber von Westen her immer mehr Wolken auf, am Gipfel begann es schon zu schneien. Wenn man noch fahren wollte musste man in die tieferen Piste ausweichen, wo die Sicht noch ausreichend war. Ich fuhr trotzdem bis zum letzten Lift und kam dann zur Hütte zum Abendessen zurück.

Meine Mäuslein hatten auch schon ordentliche Portionen Mäusegift verputzt. Es ist ja schon brutal, ihnen etwas vorzusetzen, wozu sie einfach nicht nein sagen können, weil es so gut in ihre Nasen zieht. Aber nach dem Verzehr sterben sie dann langsam vor sich hin, verbluten innerlich.

Für mich gab es zweierlei Montafoner Käse und einen schönen Blauen Zweigelt aus dem Burgenland: ein adäquates Abendessen.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, konnte ich es kaum glauben: wieder strahlend blauer Himmel. Das hieß: schnell fertig machen zum Skifahren. Ich fuhr wieder nach ganz oben und genoß die Buckelpisten mit ein wenig frischen Neuschnee von gestern darauf. Es war einfach herrlich. Ein totales Skihochgefühl.

Und zur kleinen Mittagspause ging es zurück zur Hütte. Dort gab es (fast) frische Semmeln mit Wurst und Gurken, dazu ein Bier und als Nachspeise einen Apfel.

Und dann sofort zurück auf die Piste. Fahren fahren fahren. Laut meinem Skichronometer habe ich in dreieinhalb Stunden (nach der Mittagspause bis zum letzten Lift) 19 Abfahrten gemacht. Wenn man pro Abfahrt im Schnitt drei Kilometer rechnet, wären das ca. 60 Kilometer. Am gesamten Tag bin ich dann ca. 120 Kilometer gefahren. In den fünfeinhalb Skitagen 660 Kilometer. Nicht schlecht.

Heute bin ich ziemlich müde – muss morgen auch früh raus, um die Hütte „klar Schiff“ zu machen und mich mit meinen Sachen zu verzupfen. Aber je nach Wetter habe ich noch den ganzen Tag zum Skifahren.

Freitag, 15. Januar 2010

Noch einmal ein unglaublich schöner, sonniger Tag. Das sah ich schon, als ich diesmal ein wenig früher aufstand, um all meine Sachen zu packen und die Hütte zur Ãœbergabe vorzubereiten.

Gestärkt mit einem Pfefferminztee und zwei oder drei Löffeln Vanillejoghurt begann ich den Großputz und packte alle meine Sachen. Anschließend fuhr ich noch vor Liftstart meinen großen Packrucksack ins Tal hinab und verstaute ihn im Auto. So hatte ich den letzten Skitag vollkommen frei für mich.

Und was für ein Skitag das war! Den ganzen Tag strahlender Sonnenschein und obwohl Neuschnee dringend notwendig war, gab es noch genügend Schnee, besonders abseits der Pisten. Ich bin den ganzen Tag entweder Buckelpisten oder irgendwo im Gelände gefahren – und das war einfach genial!

Mittags beim Brunella-Wirt eine Speckknödelsuppe zur Stärkung. Und dann ging es in die letzte Runde.

Besonders imposant waren die Ausblicke auf das grandiose Gebirgspanorama, das sich bei diesem Wetter und in dieser Höhe bietet.

Nach der letzten Abfahrt ging es zurück nach Nonnenhorn zu meiner wunderbaren Frau. Es waren fünf schöne Tage in den Bergen, aber heimzukommen war mindestens genauso schön. Wir machten uns einen ganz gemütlichen Abend und erzählten einander alles, was passiert war. Schön, wenn man nach Reisen – auch wenn sie noch so schön sein mögen – gerne nach Hause zurückkommen mag.


Comments (1)

  1. Chris

    Wunderschöne, faszinierende Fotos! Da hast Du mit dem Wetter ja wirklich großes Glück gehabt.
    Mein herzliches Beileid zu dem Tod des Opas.

    LG
    Chris

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